Handarbeit

Rückblick: Das Weinjahr 2025

Helmuth Zozin - Direktor

2025 war alles in allem ein sehr gutes Jahr – ein Jahr voller Dynamik, Leidenschaft und Arbeit im Gleichgewicht.

Bis Ende August verdichtete sich das Gefühl, das könnte ein Jahrhundertjahrgang werden. Dann kam der September mit einigen wetterbedingten Herausforderungen. Mit einer schnellen Lese, mit viel Erfahrung und akribischer Handarbeit konnten wir jedoch hervorragende Qualitäten einbringen. Perfekt war das Jahr vielleicht nicht, aber großartig auf seine ganz eigene, charaktervolle Weise.

Der Winter brachte ausreichend Niederschläge, und der Austrieb erfolgte bereits Ende März und war somit früh, gesund und kraftvoll. Frost blieb uns zum Glück erspart. Das Frühjahr zeigte sich überdurchschnittlich warm, und so blühten die Reben schon Mitte Mai. Sehr bald war klar: Auch die Ernte würde früh beginnen.

Juli und August zeigten sich von ihrer besten Seite: Es war hochsommerlich warm, aber nie extrem. Die Reben litten nicht, im Gegenteil: Regelmäßige, sanfte Regenfälle versorgten sie gleichmäßig mit Wasser, ohne den Pilzdruck zu erhöhen. Mitte August standen die Zeichen auf Perfektion.

Dann kam der September und bescherte uns mehrere Regenperioden mit jeweils 50 bis 100 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Für uns bedeutete das volle Konzentration, rasches Handeln und präzise Selektion.

Am 26. August starteten wir in Terlan mit unseren besten Sauvignon-Blanc-Parzellen für Liebenaich und Tannenberg, gefolgt von Chardonnay für Sophie sowie Weißburgunder für Eichhorn und Contessa. Zwischen dem 5. und 10. September folgte der Blauburgunder für Mason und Mason di Mason, anschließend Weißburgunder und Sauvignon Blanc aus den höheren Lagen.

Trotz der Regenfälle blieben die Trauben erstaunlich gesund. Die Wärme im September trieb die Reife zügig voran, sodass die Lese dieses Jahr nur fünf Wochen dauerte – zwei weniger als üblich.

»Unsere Weine zeigen heute eine beeindruckende innere Ruhe und Widerstandskraft.«

Die Weißweine
Die Weißweine 2025 zeigen sich charaktervoll, vielschichtig und etwas üppiger als 2024, aber mit schöner Spannung und feiner Energie. Während die 2024er mit kristalliner Klarheit glänzen, präsentiert sich 2025 voller, stoffiger, mit reifer Frucht und straffer Mineralität. Der Alkohol ist perfekt eingebunden, die Weine wirken balanciert, tief und lebendig.

Die Roten
Auch bei den Pinots dürfen wir uns freuen. Sie zeigen mehr Fülle und Ausdruck als 2024, mit feiner Frucht und dichter, eleganter Tanninstruktur.
Ein besonderes Kapitel schreibt 2025 der Keil – vielleicht unser Wein des Jahres. Selten haben wir beim Vernatsch eine derart perfekte Reife erlebt. Die Erträge blieben niedrig, kaum 40 hl pro Hektar und sind damit auf Burgunder-Niveau. Weniger ist hier eindeutig mehr.
Bei den spätreifenden Roten war die Reife ausgezeichnet. Die wiederkehrenden Regenfälle führten zu etwas zarteren Schalen, doch Tanninqualität und Fruchtreife sind beeindruckend – das Markenzeichen eines großen Jahrgangs.

Rückkehr der Großen
Nach einem Jahr Pause dürfen wir uns 2025 wieder auf Castel Campan, Cassiano und Rubatsch freuen. Die Ausfälle des 2024ers können wir damit mehr als kompensieren. Von 2024 wird es lediglich den „il Conte“ und eine kleine Menge Cassiano geben, dafür aber in größerer Menge und herausragender Qualität.

»Das Wichtigste ist ein Team, das diese Philosophie mitträgt. Handarbeit im Weinberg ist fordernd; sie ist körperlich anstrengend und niemals Routine.«

Bilanz
Der Ertrag lag in diesem Jahr rund 10 % unter unseren Erwartungen, und die Lese forderte wie immer vollen Einsatz. Doch das Ergebnis belohnt uns mehr als reichlich. Der Jahrgang 2025 bestätigt erneut, dass konsequente Handarbeit, biodynamische Pflege und die geduldige rhythmische Arbeit über Jahre hinweg den Unterschied machen.

Unsere Weinberge zeigen heute eine beeindruckende innere Ruhe und Widerstandskraft. Die Balance, die wir anstreben, wird im Boden, in den Pflanzen und schließlich im Glas deutlich spürbar.

Nach der Ernte beginnt der Zyklus stets aufs Neue: Kompost ausbringen, Einsaat, Rebschnitt, neue Kompostmieten anlegen, biodynamische Präparate herstellen, Triebe anbinden, überschüssige Sprosse ausbrechen, Laubarbeit, Pflanzenschutz, selektive Lese. Jede dieser Arbeiten ist Teil eines großen Ganzen. Wir widmen allen Schritten große Aufmerksamkeit.

Abgesehen von unserer täglichen Hingabe gibt es kein Geheimnis. Leidenschaft, Erfahrung, Fleiß und der Wille, keine Kompromisse einzugehen, sind unsere Konstanten. Das Wichtigste ist ein Team, das diese Philosophie mitträgt. Handarbeit im Weinberg ist fordernd; sie ist körperlich anstrengend und niemals Routine. Aber sie schenkt uns das, was wir am meisten lieben: Weine mit einer Seele, mit klarem Ausdruck und unverkennbarer Herkunft.

Kurz gesagt: 2025 ist ein Jahrgang, geprägt von Tiefe, Kraft und Charakter. Kein Jahrhundertjahrgang, aber einer, der seine Spuren hinterlassen wird.

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