| Baumeister, Ausgabe 12/2004 von Andreas Gottlieb Hempel | Archive | |||||||
| Wein und Architektur | ||
| Wohin damit in dieser paradiesischen Landschaft? | ||
„Hundert Zinnen", „Georgstrunk" und „Zwölf-Apostelwein" stand auf den heraldisch geschmückten Etiketten der ZweiLiter-Flaschen „Kalterersee", die wir Architekturstudenten Anfang der sechziger Jahre preiswert kauften, um die Nächte am Zeichenbrett besser zu überstehen. Der leichte Vernatsch-Wein löste im Vergleich zu gleich teuren deutschen Weinen geringeren Aspirinbedarf aus. Inzwischen hat sich die Südtiroler Weinproduktion gewandelt, und ebenso die Ansprüche an die Architektur.
Ende der achtziger Jahre kam eine neue Südtiroler Winzergeneration, rodete alte Weinberge, pflanzte neue und autochthone Sorten an, wandte sich verfeinerter Kellertechnik zu und versuchte, mit weniger Giftspritzerei wieder mehr im Einklang mit der Natur zu arbeiten. Der Erfolg war überraschend: Zum zehnten Mal hintereinander wurde 2004 ein Südtiroler zum Kellermeister des Jahres in Italien gekürt. Die höchste Auszeichnung, die der Weinführer „Gambero Rosso" in Italien zu vergeben hat, ging an 18 Kellereien in Südtirol, obwohl die kleine Region nur etwas mehr als ein Prozent der Weine in Italien produziert.
Kalterer Herzblut
Im Oktober wellen sich die Weinberge im goldenen Laub zum Kalterer See hinab, die hohen Berge sind schon mit erstem Schnee überzuckert. Diese Traumlandschaft kann durch Bauten eigentlich nur gestört werden. Frühere Generationen haben sich hier mit behäbigen Ansitzen eingefügt, auch der Renaissancebau des Gutes Manincor von 1608 gehört dazu. Vor mehr als drei Jahrzehnten hat der Architekt Othmar Barth für das Hotel Ambach am See eine zeitlos gültige Form gefunden (Baumeister 7/1998). Unseren Tagen vorbehalten blieb ein aufgeblasenes Wellness-Hotel direkt am östlichen Seeufer, und die Gemeinde Kaltern plant aufgeständerte Freischwimmbecken.
1977 ging Manincor in den Besitz der seit 300 Jahren in Südtirol ansässigen Grafen Enzenberg über. Ein junges Team unter Michael Graf Goëss-Enzenberg verwandelte Manincor vom größten Traubenlieferanten Südtirols in ein selbstständiges Weingut, das sich seit 1996 höchster Qualität verschrieben hat. Dazu dient auch der Bau einer neuen Kellerei, welche die gesamte Produktion von jährlich 300 000 Flaschen Wein, die Verwaltung und den Verkauf zusammenfassen sollte. 4800 Quadratmeter Nutzfläche verlangte das Raumprogramm. Wohin damit in dieser paradiesischen Landschaft? Der Graf war sich mit seinen Architekten - Walter Angonese war mit viel Herzblut drei Jahre ausschließlich für das Projekt tätig! - einig: Ein Weinkeller ist ein Keller, und ein Keller gehört unter die Erde. Darüber sollten in einer Humusschicht von gut eineinhalb Metern wieder Reben wachsen.
Unter dem nach Süden abfallenden Rebhang wurde in direkter Verbindung mit dem alten Ansitz die Kellerei eingefügt. Fünfmal tritt sie nach außen in Erscheinung. Einmal mit der Einfahrtsrampe, die eher einem Freilufttheater gleicht und auch für Veranstaltungen genutzt werden soll. Von dort führt eine Treppe quer durch die gesamte Anlage und tritt unter einer Pergola im Weinberg wieder ins Freie aus. Zum anderen mit der schräggestellten Einfahrtsrampe der Landmaschinenhalle. Dann mit dem Patio zwischen Altbau und den historischen Weinkellern sowie den neuen Verwaltungsräumen. Schließlich mit dem Clou - dem Weinverkostungsraum, der sich wie ein facettiertes gläsernes Auge aus dem Weinberg schiebt und bei den Gästen unweigerlich ein „Aha“-Erlebnis hervorruft. Außerdem gibt es noch den Pavillon für den Weinverkauf, der einen schönen Hof mit den Altbauten bildet. Bemerkenswert ist seine Konstruktion, denn die kräftigen hölzernen Seitenwände der Flaschenregale bilden die Tragstruktur, auf der das Flachdach aus Sichtbeton aufliegt.
Weinkellerarchitektur
Beton ist das primäre Material des Weinkellers - aber ein unglaublich präzise und glatt ausgeführter Sichtbeton mit organischen Zuschlagstoffen, welcher alternd die graubraune Farbe des grob verputzten Altbaus annehmen soll. Dazu Corten-Stahl für Treppen und Verkleidungen, kontrastierend mit den raffinierten Farbgebungen des Künstlers Manfred Alois Mayr aus Goldrain; wenig helles Holz und schwarze Fensterumrahmungen, welche die Materialität des Rahmens beim Lichteinfall ausblenden. Weniger ist mehr - gerade bei den bedingt durch das Hanggefälle vielfach geneigten Flächen. Die Kellerkonstruktion umfängt ein umlaufender Installationsgang mit einer aus eigener Quelle berieselter Stützwand zum Hang. Sie sorgt für gleichmäßige Temperierung und Feuchtigkeit des Herzstücks der Anlage, nämlich des Gärkellers, des Barrique- und Hochregallagers. Dort befindet sich die neueste Kellertechnik, deren Ergebnisse schließlich im elegant-kargen Verkostungsraum überprüft werden können. Unter anderem mit einem klassischen Vernatsch „Kalterersee", der weit entfernt von den Zweiliterflaschen mit Drehverschluss dennoch für alle Tage gut ist - auch am Zeichenbrett beziehungsweise am Computer künftiger Architekten. |
||
| Archive |
||
| Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11. Februar 2007 von Stuart Pigott | ||
| Reiner Wein |
||
| Hannoversche Allg. Zeitung, 20. Mai 2006 von Rainer Wagner | ||
| Adelige Kellergeister |
||
| NZZ, 5. Dezember 2005 von Roman Hollenstein | ||
| Im Einklang mit der Landschaft |
||
| Plaisir de la Maison, 9-10/2005, par Enzo di Napoli | ||
| Une cave creusée sous les vignes |
||
| io donna, 2 luglio 2005 di Marzio G. Mian | ||
| La Cattedrale nel vigneto |
||
| Die Presse – Schaufenster, 22. April 2005 von Heinz Nusser | ||
| Wein versetzt Berge |
||
| Essen und Trinken April 2005, Extra Südtirol von Patricia Bröhm | ||
| Die Spitze des Weinbergs |
||
| Alles über Wein, Ausgabe 2/2005 von Karin Lambert | ||
| Im Herzen des Weinberges |
||
| Volvomagazin, Frühjahr 2005 von Markus Kecht | ||
| Zwischen Tradition und Moderne |
||
| Südtirol Magazin Schweiz, Ausg. Frühling 2005 von Andreas Keller | ||
| Südtirols neues Musterweingut |
||
| General-Anzeiger, 29./30. Januar 2005 von Caro Maurer | ||
| Doppelgänger |
||
| Wine International, January 2005 by Michele Shah | ||
| Mountain high |
||
| Bere, Novembre 2004 | ||
| Vini di Nobile Eleganza |
||
| architektur.aktuell 6.2004 von Matthias Boeckl | ||
| Der Weg zur Qualität |
||
| architese, Ausgabe 3.2004 von Ursula Graf | ||
| Unter der Erde |
||
| Saison, Ausgabe 4/2004 von Nora G. Vorderwinkler | ||
| Übers Maul gefahren |
||
| Abenteuer und Reisen, Ausgabe 9/2004 von Stefan Maiwald | ||
| Alte Liebe, junger Wein |
||
| Wiesbadener Kurier, 10. August 2004 von Herbert Heil | ||
| Ein Graf mit Visionen setzt seinen Traum um |
||
| Women, 10. August 2004 von Kerstin Bode | ||
| Das ist ja der Gipfel! |
||
| Golf Journal, August 2004 von Stefan Maiwald | ||
| Verführungen im Märchenland |
||
| Playboy, Ausgabe August 2004 von Rudi Raschke | ||
| Das Weinbergwerk |
||
| Cucina & Vini, Luglio-Agosto 2004 di Roberto Infante | ||
| Edificare nella continuità |
||
| Bioarchitettura, Giugnio/Luglio 2004 di Andreas Gottlieb Hempel | ||
| Cantina Manincor, Caldaro |
||
| Der Standard, 15. Mai 2004 von Oliver Elser | ||
| Betonkeller mit eingebauter Tradition |
||
| Die Presse, 8. Mai 2004 von Ursula Graf | ||
| Mit Blick aufs Barrique |
||
| Wirtschaft im Alpenraum, Ausgabe Mai 2004 von Monika Pichler | ||
| Weinkeller unterm Weinberg |
||
| SonntagsZeitung, 25. April 2004 von Martin Kilchmann | ||
| Eigensinn macht Sinn |
||
| ff extra, 22. April 2004 von Peter Seebacher | ||
| Im Namen des Weins |
||
| NZZ am Sonntag, 11. April 2004 von Peter Keller | ||
| Edle Tropfen des Adels |
||
| Zeitung im Espace, 10. April 2004 von Elisabeth Hobmeier | ||
| Das älteste Weingut, der modernste Keller im Südtirol |
||
| www.degustare.com from the 01.07.2003 di Maurizio Rosina | ||
| Lo Chambertin Clos de Beze Italiano |
||
| www.degustare.com from 18 06 2003 by Maurizio Rosina | ||
| L'elegante di complessa intensità |
||
| Welt am Sonntag vom 01.06.2003 von Stephan Reinhardt | ||
| Das Weißweinwunder |
||
| Financial Times Deutschland vom 30.05.2003, Ekkehart Baumgartner | ||
| Tropfen vom Herzblut |
||
| Rheinischer Merkur vom 28.05.2003 von Elisabeth Füngers | ||
| Fünf Prozenthürde |
||
| Dolomiten Wirtschaftskurier „WIKU“ vom 02.04.2003 | ||
| Von Windkraft bis Erdwärme |
||
| Handelsblatt vom 12.10.2002 von Pit Falkenstein | ||
| Schmeichler vom Grafen |
||
| Alto Adige del 20.04.2001 | ||
| Manincor, ovvero il vino fabbricato letteralmente con una "mano sul cuore" |
||
| Weinart - November 1999 von Egon Mark | ||
| Weingut Manincor, Tradition und Fortschritt zwischen alten Mauern |
||
| Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 07.09. 2000 von Magnus Günther | ||
| Gesegneter Weinwachs ... |
||
| Südtirol-Magazin 2000 von Gerhard Fontan | ||
| Vernunft soll über Leidenschaft siegen |
||
| VINUM vom Januar/Februar 2003 von Rudolf Trefzer | ||
| Vini d'Italia 2003: Auf dem Holzweg |
||
| Handelsblatt vom 01./02.10.1999 von Claudia Diemar | ||
| Die wahre Heimat des Gewürztraminers |
||