Manincor

Winterruhe

Winterruhe.

Diese Zeit der äußeren Ruhe ist enorm wichtig damit die Natur das neue Vegetationsjahr vorbereiten kann. In den scheinbar unfruchtbaren Monaten der kalten Jahreszeit werden die Weichen gestellt für die Qualität des nächsten Jahres.

Von Helmuth Zozin, Direktor Weingut Manincor

Unser Weinjahr beginnt immer am Tag nach der Ernte mit der Kamillenteespritzung. Eigentlich die schönste Behandlung für unsere Reben, denn es ist eine reine Liebestat, ein echtes Dankeschön, ohne Erwartungen für die Zukunft. Wir wollen unsere Reben nur liebevoll in die verdiente Winterruhe begleiten.

Diese Zeit der äußeren Ruhe ist enorm wichtig damit die Natur das neue Vegetationsjahr vorbereiten kann. In den scheinbar unfruchtbaren Monaten der kalten Jahreszeit werden die Weichen gestellt für die Qualität des nächsten Jahres. In den klarsten Nächten des Dezembers und Januars spricht der Kosmos besonders intensiv durch den Boden zur Natur. In der äußeren Inaktivität liegt die größte innere Aufmerksamkeit.

Mit äußerster Vorsicht und Aufmerksamkeit schneiden wir in diesen Wochen unsere Reben. Acht Wochen brauchen wir mit unserem zehnköpfigen Team, um unsere 300.000 Reben zu schneiden. Dies ist eine extrem heikle Arbeit, und es entsteht dabei ein besonderes, ja fast intimes Verhältnis zwischen Bauer und Pflanze. Wir schneiden prinzipiell nur am zweijährigen Holz, um die Verletzungen so klein wie möglich zu halten. So kann die Rebe problemlos die Wunden selbst verschließen. Dies ist einerseits wichtig, damit keine Parasiten in das Innere der Rebe kommen, und andererseits bleiben so die Saftkanäle integer. Die Saftkanäle der Rebe sind vergleichbar mit unseren Blutbahnen, in ihnen zirkuliert die Lebenskraft. Die beste Zeit für den Rebschnitt ist also Januar und Februar, wenn die äußere Aktivität am geringsten ist. Manincors erste Lagen schneiden wir in den Tagen vor Neumond, da die Pflanzenaktivität da noch um einiges gedämpfter ist als vor Vollmond. Schlaf ist eben nicht gleich Schlaf, und die Natur ist in dieser Beziehung viel empfindsamer als man gemeinhin glauben möchte.

Mit den ersten Märztagen haben wir den Rebschnitt abgeschlossen, denn dann beginnt zuerst im Boden und dann im Pflanzeninneren bereits größte Lebensaktivität. Noch bevor die Reben austreiben machen wir die ersten Bodenspritzungen, um diese Lebenskräfte zu stimulieren. Brennnesseltee als Stimulans und dynamisierten Hornmist als Impulsgeber spritzen wir hierbei in homöopathischer Menge auf den Boden. Im Gegensatz zum Rebschnitt nutzen wir für diese Behandlungen die besonders lebendigen Tage vor Vollmond, um den Effekt noch zu potenzieren.

So sind die Weichen für ein gutes Jahr eigentlich schon gestellt bevor sich das erste Grün an den Reben überhaupt zeigt. Die Rebe startet bestens vorbereitet und strotzend vor Lebenskraft in das Vege-tationsjahr. Sie konzentriert sich in den ersten Wochen nur aufs Wachsen, um dann Ende Mai mit der Blüte einen harmonischen Übergang hin zur Reife zu wagen.

Von der Blüte an lassen die Wachstumskräfte sichtlich nach, um Ende Juli mit dem Verholzen der Triebe und dem Verfärben der Beeren den Reifekräften das Feld zu überlassen. Nun sollen sich unsere Reben nur noch auf die Reife konzentrieren, um uns aromatische Früchte bester Qualität zu schenken. Von April bis September findet das Offensichtliche statt, aber die Basis für ganzheitliche Gesundheit und für die diese begleitende höchste Qualität wird in den unscheinbaren Wintermonaten gelegt.

2010 ist für Manincor ein gelungenes Weinjahr, das uns zwar etwas weniger Menge dafür aber durchwegs feine Qualitäten geschenkt hat.

Ähnlich wie 2009 sind die Weißweine von vielschichtiger Frucht mit Mineralität geprägt. Im direkten Vergleich wirken die 2010er sogar noch dichter und mit mehr Tiefgang, ohne dabei an Feingliedrigkeit einzubüßen.

Alles in allem sind wir mit den Rotweinen sehr zufrieden, durch den ausgiebigen Regen im August und September sind wir aber am ganz großen Jahrgang vorbeigeschrammt. Reife Fruchtaromen, viel dichtes Tannin das Rückgrat gibt, zugleich aber samtig und weich bleibt, sind Zeichen für enormes Entwicklungs-potenzial und lassen einiges erwarten.

Mein persönlicher Jahrgangsfavorit ist beim Weißwein der Chardonnay. Ich erwarte mir einen 2010er Sophie, der füllige Cremigkeit mit rassiger Mineralität symbiotisch vereint. Bei den Rotweinen schwanke ich noch zwischen dem zuerst gelesenen Pinot Noir und dem zuletzt gelesenen Cabernet Sauvignon. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es vom Jahrgang 2010 sowohl Mason di Mason als auch Castel Campan geben wird.