Manincor

Sarah Wiener über ihr Verhältnis zum Wein

An dieser Stelle lassen wir andere für uns reden.

Für uns, das heißt in diesem Fall für den Wein. Interessante Menschen kommen an dieser Stelle zu Wort und werfen ein Streiflicht auf ihren persönlichen Zugang zum Thema Wein. In der dritten Folge freuen wir uns, dass mit Sarah Wiener die erste Frau das Wort ergreift:

„Zum Wohl.“ Ich sitze auf der Couch mit einem Glas Wein, habe die Beine angezogen, kuschele mich in meine Lieblingsecke und proste meinem Mann zu. Der hat mich überrascht. Mit einer Flasche Rotwein. Er gießt sich auch ein Glas ein, schwenkt es leicht, riecht daran, und bevor er einen Schluck trinkt, schaut er aufs Etikett. Eine Neuentdeckung. Biodynamisch. Ich nippe am Wein. Er murmelt etwas von der Lage, dem Weingut. „Keine Ahnung“, sagt er, „ probier mal.“ Ich nicke. Biologisch dynamisch ist mir wichtig. Darauf lege ich Wert. Aber im Moment bin ich biologisch dynamisch auf dem Nullpunkt. Ich bin geschafft. Ein Termin nach dem anderen. Und jetzt ist Schluss. Jetzt kommt die Entspannung. Mit meinem Liebsten. Und mit meinem Lieblingswein. Und der ist nun mal Rot. Rot schlägt Weiß.

Da sind wir, mein Mann und ich, uns einig. Nur mein Sohn, der trumpft gerne mit Weißweinen. Und ab und zu überzeugt er mich, mit zwei, drei Sorten. „Na?“, fragt mein Mann und schaut mich erwartungsvoll an. Zur wahren Kennerschaft haben wir beide es nicht gebracht. Aber wir sind Genießer. Ich nehme noch einen Schluck. Behalte ihn kurz im Mund. „Ah ...,“ sage ich „... gut.“ Und wie ich aus Erfahrung weiß, so gut kenne ich meine Geschmacksnerven, wird dieser Rote mir im Verlaufe des Abends, auf den ich mich freue (es riecht herrlich aus der Küche, ER hat gekocht), noch besser schmecken. Ich stecke meine Nase ins Glas. Das Aroma ist ein Versprechen. Ich atme tief durch. Entweder ein Wein schmeckt mir sofort, oder er schmeckt mir gar nicht.

Im Restaurant suche ich auf der Weinkarte nicht nach der teuersten Flasche. Der erste Schluck muss mich überzeugen, und dann weiß ich, er wird immer besser. Schluck für Schluck. Ich bin kein Sommelier. Ich bin Köchin. Aber ich liebe schwere Rotweine. Und zum Lieben muss man keine Fachfrau sein. Meistens bleibt es ein Geheimnis warum man/frau etwas liebt. Und das ist auch gut so. So betrachte ich abwechselnd mein inzwischen halbvolles Glas und meinen Mann. Der lächelt mich an. Ja, die Rotweine. Da gibt es so Sympathiepunkte. „Der macht süchtig“, sage ich und proste ihm zu. Es heißt ja nicht ohne Grund: In vino veritas – im Wein liegt die Wahrheit.

Ansteckend authentisch. Man nimmt es ihr einfach ab. Wenn Sarah Wiener überzeugt ist – wovon auch immer –, dann sagt sie es und setzt sich bedingungslos dafür ein. Unser Glück: ihre Leidenschaft ist Essen. Und wer gern gut isst, sollte auch gern kochen. Das „Verkopfte“, das sich in der Kulinarik in den letzten Jahren breitgemacht hat, das viele Sinnieren und Philosophieren über Genuss, ist ihre Sache nicht. Viel mehr ist es Kochen für dich und mich, Kochen für normale Menschen, mit Zutaten, deren Namen man aussprechen kann. Qualität muss bei Sarah Wiener sein, da ist sie hartnäckig; auf dem Teller und im Glas. Womit wir bei Wein aus Manincor landen.

Kurzbiografie: Köchin, Unternehmerin, Schauspielerin, Buchautorin – vieles davon, weil es sich ergab, vieles, weil es notwendig war und das Meiste, weil Sarah Wiener es wollte. Mit 17 schmiss sie die Schule, ging auf Reisen, landete mit 24 Jahren und ihrem Sohn in Berlin und in der Realität. Kellnerin, Küchenhilfe, Kuchenbäckerin, Köchin für eine Werbeagentur – mit jedem Job kam etwas Neues dazu. Inzwischen führt Sarah Wiener ein europaweit agierendes Unternehmen für Eventcatering und mehrere Restaurants und Cafés, mehr dazu unter www.sarahwiener.de.