Manincor

Nachrichten aus Keller und Weinberg

Um es vorwegzunehmen:

2011 war ein gutes Jahr. Ob die Weine wirklich groß sein werden, kann man frühestens in einem Jahr beurteilen, aber es war auf alle Fälle ein gutes Jahr.

Von Helmuth Zozin, Direktor Weingut Manincor

Nach einem normalen Winter mit Kälte, Schnee und allem was dazugehört, sind wir mit guter Bodenfeuchtigkeit ins Vegetationsjahr gestartet. Außerordentlich milde Temperaturen im März und April ermöglichten einen extrem frühen Austrieb mit mehr als 2 Wochen Vorsprung auf ein Normaljahr. Auch der Mai war überdurchschnittlich warm und sonnenreich, bereits Mitte des Monats standen die Reben in der Blüte. Juni und Juli waren für den Vegetationsverlauf optimal mit ausreichend Regen und nicht zu heißen Temperaturen. Leider war auch 2011 wieder in einigen Lagen Hagel dabei. Mit unserer bewährten Methode nach dem Hagelschlag Kamillentee zu spritzen, konnten sich die Reben bis zur Ernte vollkommen erholen. 10 % Mengeneinbuße mussten wir allerdings hinnehmen. Erst Ende Juli setzte der Hochsommer ein, dafür aber heftig mit Sonne pur, konstanten Tagestemperaturen von über 30 °C und Spitzen bis zu 35 °C. Die Reifezeit im August war sehr sonnig – an sich optimal, aber die Reben litten unter der Trockenheit. Auch hier setzten wir unser Antistressmittel, die Kamille, als Tee ein. Die Reben bekommen dadurch mehr Ausgleichskraft.

Was für ein Herbst! Das stabile Hochdruckwetter mit meist strahlendem Sonnenschein setzte sich während der ganzen Lesezeit fort. So einen goldenen Herbst erhofft man sich als Winzer vor jeder Ernte, und wenn er nach Jahren auch wirklich einmal Realität ist, will man ihn natürlich auch nutzen.

Die zwei Wochen Vorsprung auf ein Normaljahr blieben uns bis zur Lese erhalten. Vom 29. August bis zum 17. Oktober und mit 50 Lesetagen hatten wir nicht nur eine sehr frühe sondern auch eine extrem lange Erntezeit. Wir konnten Lage für Lage ohne Stress und Hektik genau dann lesen, wenn die Trauben optimal reif waren. Wir hatten auch Zeit, jede vom Hagel getroffene oder sonst beschädigte Beere und jede nicht ausgereifte Beere auszusondern.

In den ersten drei Wochen der Lese, als es mit Tageshöchsttemperaturen von über 30 °C besonders heiß war, haben wir nur morgens von 6 bis 12 Uhr gelesen. Der Grund dafür ist, dass die Weißweintrauben mit Temperaturen unter 15 °C auf die Presse kommen sollen, aber auch die Roten sollten 20 °C nicht überschreiten. Das ist für die Frucht der Weine enorm wichtig, denn gerade die Verarbeitung der Trauben ist ein heikler Vorgang, bei dem man viel Qualität verlieren kann. Der Erfolg dieser Maßnahme zeigt sich jetzt in den Jungweinen. Sie sind ausdrucksstark und breitschultrig, keineswegs wirken sie fett und plump.

An Komplexität haben die Weißweine mit dem Jahrgang 2011 weiter zugelegt, auch weil wir mittlerweile fast alle Fässer spontan vergären lassen. Den natürlichen Hefen zu vertrauen ist immer mit höherem Risiko verbunden. Man kontrolliert zwar täglich, aber eigentlich gibt man das Weinmachen sozusagen aus der Hand. Die Gärungen sind dadurch meist sehr langsam und dauern oft bis in den Dezember hinein. So entwickeln die Weine aber eine komplexe Finesse, die mit Reinzuchthefen kaum möglich ist.

Mitte September haben wir mit der Ernte sogar ein wenig innege-halten und einige Tage pausiert um die Rotweine mit perfekter Tanninreife einzuholen. Vernatsch, Merlot, Lagrein, Tempranillo, Syrah, Cabernet Franc, Petit Verdot, Cabernet Sauvignon, konnten wir Sorte für Sorte und Weinberg für Weinberg, individuell zum richtigen Zeitpunkt in den Keller bringen. Die Rotweine haben alle Voraussetzungen um sich hervorragend zu entwickeln. Intensive reife Fruchtaromen prägen das Bouquet und dichter Gerbstoff von feinkörniger Textur das Mundgefühl. Sie sind harmonisch und elegant, obwohl ihr Alkoholgehalt eigentlich etwas höher ist als wir es uns wünschen.

Feinstes Trinkvergnügen. Das Warten auf die Süßweinlese ist bei uns immer besonders spannend, da wir untypisch für Südtirol und Italien eine richtig späte Lese machen. Man weiß vorher nie, was passiert. Es besteht immer das Risiko alles zu verlieren, aber meist lohnt es sich. Dieses Jahr haben wir die Petit Manseng Trauben für den Le Petit fünf Tage vor Weihnachten gelesen. Nicht ganz so konzentriert wie in den letzten drei Jahren, als wir Mitte Jänner geerntet haben, dafür aber komplett frei von Botrytis. Wenn auch im Keller alles optimal läuft, sollte die Gärung zwischen 10 und 11 Grad Alkohol von selbst aufhören und ein Restzucker von 170 bis 180 Gramm je Liter verbleiben. Ich erwarte mir einen fruchtgeprägten Süßwein mit einem Säure-Süßespiel, das feinstes Trinkvergnügen bereitet.

Spritzung

Dieser Herbst war für das gesamte Manincor-Team eine Freude. Es war so viel Arbeit wie immer aber stressfrei und ohne Hektik – gut für die Weine und gut für uns. Wir fanden auch schon während der Ernte Zeit, für das nächste Jahr die Weichen zu stellen. Kamillenteespritzung, Kompoststreuung, Bodenbearbeitung und Begrünung folgten unmittelbar auf die Lese. Das ist die beste Voraussetzung für eine gute Winterruhe und viel Vitalität im nächsten Frühjahr.