Manincor

Nachrichten aus Keller und Weinberg

Das Weinjahr 2014.

Der Winter war ähnlich wie im Vorjahr außergewöhnlich feucht mit viel Schnee in den Bergen und brachte so eine sehr gute Wasserversorgung der tiefen Bodenschichten.

Von Helmuth Zozin, Direktor Weingut Manincor

Beste Voraussetzungen, damit unsere Reben gut durchs Jahr kommen und auch längere Trockenphasen im Sommer ohne allzu großen Stress gut überstehen. Das Frühjahr begann mit überdurchschnittlichen Temperaturen bereits Ende Februar, sodass wir einen sehr frühen Austrieb um den 20. März hatten. April und Mai hingegen verliefen relativ kühl, und so reduzierte sich sukzessive der große Vegetationsvorsprung bis zur Blüte. Ähnlich wie im Jahr 2012 vergingen zwischen Austrieb und Vollblüte Ende Mai gut zwei Monate. Das deutete auf einen Erntebeginn zwischen 5. und 10. September, also im Normalbereich.

Die biodynamische Arbeit des Frühjahrs bis zur Blüte war geprägt von Behandlungen mit Brennnesseltee und Hornmistpräparat. In die Blüte selbst spritzten wir Kamillentee, um den heiklen Übergang vom Wachstum zur Reife zu unterstützen. Nachdem sich zum Pfingstwochenende eine erste Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 36°C einstellte, rechneten wir schon mit einem heißen, trockenen Sommer. Das Gegenteil war jedoch der Fall! Der gesamte Juli und die erste Augusthälfte waren feucht, regnerisch, teilweise tropisch, öfters auch relativ kalt. Die Reben taten sich unter diesen Bedingungen schwer, ihr Wachstum abzuschließen, alles wollte weiter wachsen.

Als Qualitätswinzer streben wir nach vollständiger Reife, diese steht aber im Kontrast zum vegetativen Wachsen. Die Biodynamik bietet uns die einzigartige Möglichkeit, gerade an diesem Punkt anzusetzen. Mit unseren biodynamischen Präparaten beeinflussen wir diese Dualität zwischen Expansion und Konzentration. Hornmist und Hornkiesel sind dazu da, diese zwei Polaritäten zu balancieren. Hornmist als Wachstumsimpuls und Hornkiesel als Reifeimpuls wirken ausgleichend und kompensieren einseitige Wettersituationen. Um das fehlende Sonnenlicht zu ersetzen, machten wir also eine Hornkieselbehandlung nach der anderen. Im Zwei-Wochen-Rhythmus dynamisierten wir das feine Quarzmehl und besprühten damit unsere Reben.

Es blieb trotzdem ein schwieriges Jahr, aber allen Wetterkapriolen zum Trotz gingen unsere Reben in die Reife. Die Präparate sind kleine Wundermittel, ihre Wirkung ist nicht schnell und grob, sondern kontinuierlich und sanft. Unsere Trauben erreichten jedenfalls Schritt für Schritt die richtige Zuckerkonzentration, und – was noch viel wichtiger ist – sie entwickelten einen richtig guten Geschmack. So begannen wir am 9. September mit der Lese. Wir hatten nun die richtige Reife, aber leider auch Fäulnisprobleme. Das Wetter stabilisierte sich, es gab kaum mehr größere Niederschläge, die feuchte Schwüle begleitete uns aber den ganzen Herbst. Die Schalen der Trauben wurden mürbe und anfällig für Botrytis. Die physiologische Reife konnten wir mit unseren Hornkieselspritzungen zwar gut fördern, die fortschreitende Fäulnis allerdings nicht gänzlich aufhalten.

Handarbeit_12_210x140px

Eine selektive Lese war also angesagt, der Ernteaufwand wurde dadurch riesig. Um jede faule Beere herauszuzupfen, verdoppelten wir unser Leseteam. Der Aufwand an Handarbeit war fünfmal so hoch wie normalerweise. Dazu kam jede zweite Woche das Kochen und Ausbringen des Ackerschachtelhalmtees sowie das Dynamisieren und Ausbringen des Hornkieselpräparats. Insgesamt ein handwerklicher Mehraufwand von durchschnittlich 250 Stunden je Hektar! Man muss wissen, dass viele Winzer mit maximal diesem Arbeitsaufwand fürs ganze Jahr kalkulieren, um zu verstehen, was das bedeutet.

Wenigstens hat sich der immense Aufwand gelohnt! Der Jahrgang hat uns zwar nichts geschenkt und wird nicht als „Großer“ in die Annalen eingehen. Wir haben durch das selektive Auslesen 20 % an Menge eingebüßt. Um die Qualität der „Herzweine“ zu stärken, haben wir uns ganz bewusst entschieden, 2014 keine „Kroneweine“ abzufüllen. Die Mostausbeute im Keller wurde durch noch schonenderes Pressen als normalerweise auf nur 62 % reduziert.Schlussendlich werden wir 2014 feine elegante Weine ganz im Manincor-Stil haben, mit viel Frucht und Saftigkeit. Vor allem werden sie mit viel Nerv und Spannung überzeugen. Ich glaube sogar, dass es ein Jahrgang mit einem erstaunlichen Lagerungspotenzial sein wird.

Wir wünschen uns natürlich jedes Jahr den Traumjahrgang, mit einer Perfektion, die von alleine kommt. Eigentlich sind es aber gerade schwierige Jahrgänge wie 2014, die uns in unserer akribischen Handarbeit bestätigen und uns vor Augen führen, was wirkliche Toplagen wert sind.