Manincor

Nachrichten aus dem Weinberg

Man denkt:

Nach einem großartigen Jahr wie 2015 wird sich die Natur eine Pause gönnen. Aber falsch! 2016 ist ein mindestens ebenso guter Jahrgang. Sonnen- und Lichtjahre sind selten, im Schnitt nur zweimal in zehn Jahren. Es ist schon erstaunlich, gleich zwei hintereinander geschenkt zu bekommen.

Von Helmuth Zozin, Direktor Weingut Manincor

Stürmischer Beginn. Das Jahr begann nicht vielversprechend: Es gab viele Gewitter und von Ende Mai bis Mitte Juli fast täglich Nässe. Folglich machte uns die Peronospora zu schaffen. Mit viel Handarbeit und rhythmischer Anwendung der biodynamischen Präparate wie Hornkiesel und Kamillen- und Ackerschachtelhalmtee behielten wir alles im Griff. Natürlich kamen wir nicht ohne Kupfer aus, aber durch präzise Applikationstechnik und perfektes Timing genügte eine geringe Menge.

Intensive Arbeit. An die tausend Arbeitsstunden pro Hektar investierten wir in unsere Weinberge. Es hat sich gelohnt: Wir kamen schadlos durch die schwierige Phase, alles war noch möglich. Ab Mitte Juli, gerade rechtzeitig zu Reifebeginn, wendete sich das Blatt. Ein sonniger Tag folgte dem anderen, im August und September war die Lichtqualität außergewöhnlich. Die Trauben entwickelten eine perfekte Reife mit intensivsten Aromen.

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Während der ganzen Ernte kam nie Eile, geschweige denn Stress auf. Weinberg für Weinberg konnten wir bei optimalem Reifegrad in den Keller bringen. Acht Wochen, solange wie noch nie, dauerte die Lese. Am 12. September begannen wir mit Sauvignon Blanc in Liebenaich, und am 3. November schlossen wir sie mit Cabernet Sauvignon im Tatzenschroat ab.

Von der Traube zum Wein. Auch wenn die Voraussetzungen perfekt erscheinen, wird bei uns jede Traube in die Hand genommen und genauestens kontrolliert. Unreife, faule oder angeschlagene Beeren zupfen wir heraus. Diese akribische Selektionsarbeit ist notwendig, damit wir im Keller auf Technik verzichten können und die Gärung mithilfe der traubeneigenen Hefen, also die Spontangärung, funktioniert.

Im Keller zeigen die Weine bereits jetzt ihre Klasse. Vielschichtige, reife Fruchtaromatik, Schmelz, dichte Struktur, saftige Länge und mineralische Frische kennzeichnen den Jahrgang. Einziger kleiner Wehrmutstropfen ist der etwas höhere Alkoholgehalt, der aber durch den kräftigen Körper sehr gut eingebunden erscheint.

Die Spontangärungen verliefen durch die hohe Zuckerkonzentration extrem langsam und dauerten bei den Weißweinen bis in den Januar hinein. Zugleich konnten sich deshalb besonders delikate Aromen entwickeln. Ein Ausnahmejahr ist 2016 auf jeden Fall für unseren Vernatsch, den Keil. Er zeigt sich mit nie dagewesener Fruchtsüße und Komplexität. Er begeistert uns am meisten und ist unser Wein des Jahres.

Die Roten haben sowohl griffige Gerbstoffe als auch delikate Finesse. Beste Voraussetzungen um sich zu großen Weinen zu entwickeln. Im Laufe des Jahres kommen zeitgleich die weißen 2016er und die roten 2015er in den Verkauf. Zwei Topjahrgänge, in meinen Augen das Beste, das wir auf Manincor bis jetzt produziert haben. Welcher der beiden Jahrgänge in zehn Jahren die Nase vorne haben wird, kann ich nicht sagen. Beide versprechen große Weine mit hervorragendem Alterungspotenzial.

Entwicklung der Weine. Manincor-Weine sind keine kurzfristigen Blender sondern spielen ihre zurückhaltende Finesse oft erst nach einigen Jahren Flaschenreife aus. Schon die Weine der Hand-Linie wie Réserve della Contessa und Réserve del Conte profitieren von mehrjähriger Flaschenlagerung. In Topjahren können sie sich nach zehn Jahren in einwandfreiem Zustand präsentieren. Die Herz-Weine brauchen durchwegs mindestens fünf Jahre bis zur optimalen Trinkreife, oft sind sie erst nach zehn Jahren auf dem Höhepunkt. Die Krone-Weine sind ohnehin auf lange Lagerung ausgelegt und garantieren nach zehn bis zwanzig Jahren vollendeten Trinkgenuss.

Um dieses Entwicklungspotential unserer Weine besser zu zeigen, werden wir in den nächsten Jahren mit unseren Weinen später auf den Markt kommen. Schrittweise werden wir den Verkaufsstart nach hinten verschieben und so den Weinen mehr Flaschenreife gönnen. Voraussetzung dafür sind natürlich optimale Lagerbedingungen. Wenn man Freude an gereiften Weinen hat, lohnt es sich, in einen perfekt temperierten Keller zu investieren. Für mich heißt das im Idealfall konstante 12 °C; zumindest aber sollte die Temperatur auch im Sommer nie über 15 °C steigen. In den seltensten Fällen reicht ein Naturkeller, es braucht fast immer eine leistungsfähige Klimaanlage. Ich garantiere: Sie ist die beste Investition in den Trinkgenuss! Jeder Grad mehr an Kellertemperatur kostet zumindest ein Jahr an Lagerfähigkeit.