Manincor

Nachrichten aus dem Weinberg

Als Winzer träumt man immer vom perfekten Jahr,

in dem die Natur alles auf einem Silbertablett präsentiert. Aber man weiß auch: Das bleibt ein Traum. Ich habe das in 28 Jahren als Weinmacher jedenfalls noch nicht erlebt.

Von Helmuth Zozin, Direktor Weingut Manincor

2015 war großartig! Ein Sonnen- und Lichtjahr, wie wir es in unserer Region nur höchstens zweimal in einer Dekade haben. Solche Jahre schenken uns Früchte mit außergewöhnlicher Reife und Weine mit besonderer Strahlkraft.

Streben nach Topqualität. Es gab aber auch Herausforderungen. In erster Linie Hitze und Trocken­heit im Sommer, dann auch eine regnerische Phase während der Lese. Mit unseren biodynamischen Präparaten und enorm viel Handarbeit konnten wir alle Unwegsamkeiten erfolgreich meistern. Hornmist, Hornkiesel, Brennnesseltee, Kamillentee und Ackerschachtelhalmtee sind unsere biodynamischen Helfer, die wir vorbeugend einsetzen, um unsere Reben in Balance zu halten. Im Frühjahr besprühen wir zum Beispiel den Boden mit Brennnesseltee und dynamisiertem Hornmist, um gesundes ausgeglichenes Wachstum zu fördern. Die Blüte ist der Kulminationspunkt des Wachsens und somit die Zeit des größten Energiebedarfs für die Reben. In dieser Phase setzen wir Kamillentee ein, der den Stoffwechsel unterstützt und einen guten Traubenansatz fördert. Kamillentee ist auch das Mittel der Wahl, wenn den Reben Stress droht. Klassisch dafür ist ein Hagelschlag, der die Pflanzen für Tage und Wochen in eine Schockstarre versetzen kann.

Im letzten Jahr blieben wir von Unwettern komplett verschont; unser Problem waren Hitze und Trockenheit. Darauf reagieren die Reben mit Stresssymptomen und Wachstumsblockaden, die wir mit vorbeugenden Kamillenteegaben verhindern konnten. Wichtig war dabei auch, dass wir die Traubenzone nicht komplett auslaubten, sondern die Früchte im Halbschatten der großen Deckblätter beließen. In einem nasskalten Jahr wie 2014 hingegen haben wir im August die Deckblätter entfernt, um eine bessere Durchlüftung zu gewährleisten. 2015 hätte das einen richtigen Sonnenbrand auf den Beerenhäuten verursacht. Ein und dieselbe Maßnahme ist in einem Jahr goldrichtig, während sie im darauffolgenden ein großer Fehler wäre. Wir haben in allen Weinbergen Tropfberegnung installiert. Viele Jahre lang brauchten wir sie nicht, aber im Extremfall mit Bedacht eingesetzt, wird sie zu einem echten Qualitätsfaktor. Im Juli 2015 war diese Möglichkeit, die Reben zu bewässern, für uns Gold wert und mitentscheidend für einen großen Jahrgang.

Auf diese Weise konnten wir unseren Reben zu starken Trockenstress ersparen und sie mit Ackerschachtelhalmtee und dynamisiertem Hornkiesel in die Reife begleiten. Schlussendlich geht es beim Streben nach Topqualität ja immer um die perfekte physiologische Reife. Damit ist eine ausgeprägte Aromareife gemeint und nicht etwa eine übertrieben hohe Zuckerreife. Echter Terroirwein ist genau das: der ausgereifte Ausdruck eines vitalen, ausbalancierten Weinbergs in einem Jahrgang.

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Um diese ideale Reife zu erreichen muss alles stimmen und vieles ineinander greifen. Ein Lichtjahr wie 2015 schafft gute Voraussetzungen. Für optimal reife Trauben am Tag der Lese bedarf es jedoch akribischer Arbeit während des ganzen Jahres. Sanfter Rebschnitt, präzise Triebauswahl, gekonnte Laubarbeit, kluge Ertragsreduzierung, detailverliebte Selektionsarbeit bei der Lese und ein harmonischer Einsatz der biodynamischen Präparate sorgen dafür, dass sich ein großer Jahrgang auch in großartigen Trauben ausdrückt.In so einem Jahr kann man sich im Keller zurückhalten und komplett auf die Spontangärung setzen. In der Praxis heißt das, dass wir bei jedem Fass warten bis die traubeneigenen Hefen die Gärung beginnen. So wird auch die Gärung Ausdruck des Weinbergs und des Jahrgangs und lässt jedem Fass seinen ganz eigenen Charakter.

Ungetrübte Bekömmlichkeit. Der Grat zwischen komplex und unsauber ist sehr schmal. Absolute Präzision und Sauberkeit bei der Kellerarbeit sind deshalb unsere Grund­regeln. Nur wenn alles im gesunden Rahmen abläuft, kann man den Dingen ihren Lauf lassen und auf Zusatzstoffe verzichten. Wir verwenden nichts außer Schwefel, um unsere Weine zu stabilisieren. Wir bleiben dabei immer unter 100 mg/l gesamtem SO²-Gehalt. Meist liegen die Werte sogar nur um die 50 mg/l beim Rotwein und um die 70 mg/l beim Weißwein. Diese Werte schützen unsere Weine ausreichend vor Oxidation, garantieren zugleich aber auch ungetrübte Bekömmlichkeit. Vielschichtige Aromatik mit reifer Frucht und Mineralität, dichte Struktur mit ausreichend Schmelz, Nerv und Spannung. – Die 2015er zeigen sich als Jungweine von großem Potenzial.