Manincor

Nachrichten aus dem Weinberg

Das Weinjahr 2013.

Der Spätherbst und der Winter waren außergewöhnlich feucht mit überdurchschnittlich vielen und ergiebigen Niederschlägen.

Von Helmuth Zozin, Direktor Weingut Manincor

Den letzten ergiebigen Schneefall bis ins Tal gab es am 18. März, ideal um in den tieferen Bodenschichten Feuchtigkeit zu speichern. Diese Tiefenfeuchtigkeit erlaubt es den Reben, sofern sie auch wirklich tief wurzeln, längere Trockenperioden im Sommer ohne Bewässerung und ohne Trockenstress zu überstehen. Damit sind sie insgesamt stabiler, resistenter gegenüber Krankheiten und bringen reifere Früchte mit feinerem Geschmack.

In der Vollmondphase Ende März führten wir unseren ersten Brennnessel-Hornmist-Zyklus durch, um das Bodenleben zur Aktivität zu animieren. Zwei weitere dieser Bodenspritzungen sollten im April und Mai folgen. Sie unterstützen ein gesundes kontinuierliches Wachstum, auch dieses eine Basis für Widerstandskraft und Qualität.

Ganz einem durchschnittlichen Jahr entsprechend kam Anfang April das erste Grün. Ab diesem Zeitpunkt war das Frühjahr aber feuchtkühl, damit verlangsamte sich die weitere Entwicklung sehr.

"Spätes" Jahr. Die ersten Blüten zeigten sich erst am 5. Juni. Das Blühwetter war hervorragend, die Quecksilbersäule erreichte erstmals über 25°C und teils an die 30°C. Am 12. Juni waren die meisten unserer Weinberge in Vollblüte, eine Woche später war alles verblüht. Nun konnten wir bereits mit einem späten Jahr rechnen. Wie üblich machten wir in die Blüte hinein eine Kamillenteespritzung um einen ausgewogenen Fruchtansatz zu unterstützen. Der gesamte Juli und die erste Augusthälfte waren heiß und trocken, es gab nur einzelne Gewitter, zum Glück ohne Hagel. Diese heiße Trockenperiode tat den Reben gut, sie schlossen ihr Wachstum ab und gingen ohne Stress in die Reife über. Diesen Prozess unterstützten wir mit Tee vom Ackerschachtelhalm und unserem Hornkieselpräparat. Wie erhofft erhielten sich die Reben dieses Jahr auch im trockenen Juli einen guten Tonus, erst ab dem 5. August mussten wir einzelne Lagen bewässern. Ab Mitte August stellte sich angenehmes Spätsommerwetter mit Höchsttemperaturen von 27 bis 30°C ein. Die erste Septemberwoche brachte Regen und Abkühlung und läutete damit den Herbst ein.

Die Ernte. Ernteauftakt war am 16. September in unseren besten Sauvignon Blanc-Anlagen Lieben Aich und Tannenberg. Diese ersten Traubenpartien waren wirklich grandios. Das Herbstwetter war ganz nach Wunsch: Nordföhn mit kühlen Nächten und klaren, sonnigen aber nicht zu heißen Tagen.

Bis zur ersten Oktoberwoche hielt dieses Wetter an. Weißburgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Blauburgunder konnten wir jeweils zur optimalen Reife lesen. Zucker und Säurewerte waren ideal und das alles mit dicker knackiger Beerenhaut. Besonders erfreulich war in dieser Beziehung der Vernatsch. Auf Grund seiner empfindlichen Genetik ist die physiologische Reife besonders schwer zu erreichen. Da muss alles zusammen­stimmen: 2013 war im „Keil“ so ein Jahr.

Ab dem 5. Oktober brachte uns ein Italientief feuchtes Wetter. Unsere Roten überstanden diese 10 feuchtnassen Tage erfreulich gut. Die Ausgeglichenheit im Weinberg zeigte ihre positive Wirkung in punkto Stabilität und Resistenz eindrücklich. Ab Mitte Oktober kam das goldene Herbstwetter zurück, zwar kühl aber sonnig und trocken. So ließen wir Lagrein, Merlot und Cabernet hängen und nutzten die schönen Tage um auch hier zur richtigen Reife zu kommen.

Leider hielt das Traumwetter nur eine knappe Woche. Um Topqualität zu erreichen, haben wir zwei Lesegänge gemacht, und das hat sich gelohnt. Immerhin konnten wir so für etwa 20.000 Flaschen unseres Cassiano und 12.000 Flaschen unseres Rubatsch Trauben mit perfekter Reife und knackiger dicker Schale in den Keller bringen. Der Rest bringt uns 70.000 Flaschen Réserve del Conte von guter Qualität. Ob es sich bei unseren besten Partien für Castel Campan ausgeht, werden wir erst nach 20 Monaten Holzreife entscheiden.

Fruchtig und saftig. In ihrer Grundausprägung kann man die 2013er Weine als fruchtsüß und saftig charakterisieren. Die unseren Weinbergen eigene Salzigkeit ist natürlich immer präsent, aber die Fruchtsüße gibt 2013 den Ton an.

Die Weißweine, der Rosé und die beiden Blauburgunder zeigen sich erneut mit großer Klasse, mit etwas weniger Nerv dafür aber mit mehr Schmelz als im Vorjahr. Unser Keil ist vielleicht der beste der letzten Jahre, fruchtbetont stoffig und doch elegant. Es ist noch zu früh, um über den Rubatsch und unsere Cuvées ein abschließendes Urteil abzugeben. Im Moment kommen gerade erst die besonders feingliedrigen 2012er auf die Flasche. Diese bleiben im ersten Eindruck eher zurückhaltend, mit ihrer mineralischen Finesse werden sie sich jedoch hervorragend entwickeln und nach einigen Jahren Flaschenreife eleganten Trinkgenuss garantieren.