Manincor

Handarbeit

Handarbeit.

Nachrichten aus Keller und Weinberg. Rückblick: Das Weinjahr 2008.

Von Helmuth Zozin, Direktor Weingut Manincor

Nach einem überaus milden Winter sah es bis Mitte März nach einem ähnlich frühen Jahr wie 2007 aus. Das Frühjahr verlief dann aber nass und kühl und die Vegetation wurde deutlich eingebremst. Regen und nahezu tropische Temperaturen im Mai und Juni waren dann der Hauptgrund für den enormen Krankheitsdruck durch Peronospora. Unsere Nerven wurden dabei einigermaßen strapaziert und das Vertrauen in die selbstheilenden Naturkräfte der Biodynamie mehrmals auf die Probe gestellt.

Wir blieben aber konsequent bei unserer Linie der Stärkung des Immunsystems der Reben. Mit biodynamischen Präparaten und Tees, vor allem mit Ackerschachtel und Kamille wurden die Abwehrkräfte der Reben gestärkt. Krankheiten traten zwar auf, aber schlussendlich erholten sich alle unsere Reben gut und brachten reife, geschmacksintensive Trauben. Mengenmäßig mussten wir Einbußen hinnehmen, aber das qualitative Resultat kann das mehr als kompensieren.

Unsere besten Weißweinlagen in Terlan hat Ende Juni starker Hagelschlag heimgesucht. Trotz des großen Mengenverlusts (50 % und mehr) hatten die Reben aber genügend Zeit sich qualitativ zu erholen. Das regnerische Tropenwetter setzte sich im Juli und in der ersten Augusthälfte fort. Dann stabilisierte sich das Wetter und ging ab Anfang September in einen goldenen Herbst über.

Am 16. September wurde mit der Weißburgunder-Lese in Terlan begonnen, die letzen Trauben Cabernet Sauvignon auf Manincor wurden am 24. Oktober gelesen. Sechs Wochen Lese für 200.000 kg Trauben und für nahezu ebenso viele Flaschen Wein – auf 50 Hektar ein dezenter Ertrag. Aber: Wir haben jede einzelne Traube in die Hand genommen und jede faule oder unreife Beere ausgezupft. Nur so war es möglich, perfekte Trauben in den Keller zu bringen. Unser Ziel, Trauben mit einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen physiologischer und Zuckerreife zu erhalten, scheint immer greifbarer zu werden. 2008 steht für wirkliche Aromareife mit einer Harmonie in Alkohol und Säurewerten.

Vorschau: Der Jahrgang 2008. Ein außerordentlich schwieriges – vor allem aber spannendes – Jahr liegt hinter uns, und wir haben enorm viel dazugelernt. Insgesamt haben wir um ein Viertel weniger Menge als erwartet; die Qualitäten sind jedoch viel-versprechend. Anfang März kamen die ersten 2008er in die Flasche.

Goldmuskateller, La Rose de Manincor und Kalterersee sind durchwegs fruchtbetont und feingliedrig. Sie entsprechen damit vollkommen der Manincor-Stilistik: ausdrucksstark und mit Terroirbezug. Alle anderen Weine liegen hingegen noch für längere Zeit in den Holzfässern auf der Feinhefe und entwickeln sich gut.

Réserve della Contessa, Sophie und der neue Sauvignon Blanc sollten im Juni in die Flasche kommen, um dann im Laufe des Herbstes für den Verkauf freigegeben zu werden. Alle drei sind aromaintensiv, ausgesprochen mineralisch und haben nach dem biologischen Säureabbau immer noch eine ansprechend knackige Säure.

Bei den Rotweinen scheint der Pinot Noir die interessanteste Sorte des Jahres zu sein: Selten liegen dichte Struktur und absolute Finesse derart nah beisammen. Aber auch Cabernet Franc, Lagrein und Merlot verkosten sich zurzeit außerordentlich gut. Allen Rotweinen sind die besonders feinen Tannine gemein.

Hier und Jetzt. In den Verkauf kommen dieses Jahr die Rotweine des Jahrganges 2006 und 2007. Der 2006er ist kein großer Jahrgang aber mit einladender Finesse; Trinkfreude und spielerische Eleganz sind sein Markenzeichen. Im Juni dieses Jahres wird Cassiano 2006 für den Verkauf freigegeben, Réserve del Conte 2006 bereitet bereits seit letztem Jahr Vergnügen.

Der Jahrgang 2007 hingegen ist ein sogenannter „großer Jahrgang“ mit vielschichtigen, dichten Weinen, die sich erst langsam öffnen und zu harmonischer Komplexität entwickeln. Mason und Lagrein im April, Réserve del Conte im Juni, Mason di Mason im Herbst, Cassiano und Castel Campan erst 2010. Die Rotweine des Jahrganges 2007 gehören sicher mit zum Besten, was Manincor je hervorgebracht hat.