Manincor

Gute Geister

Hinter den Kulissen. Biodynamie im Team.

Teil zwei der Geschichten von den Menschen, die in Manincor arbeiten. Stand in Folge 1 die Weinproduktion im Mittelpunkt, so besuchen wir dieses Mal Büro und Geschäft.

Erstaunliches tritt zutage: Auch am Schreibtisch, am Verkaufstresen oder hinterm Lenkrad gedeiht der Geist der Biodynamie. In all’ seiner Vielfalt und Lebensbejahung, in seinem Streben nach dem Guten – und sehr klassisch – auch nach dem Schönen. Wieder fünf Gespräche, dieses Mal sind es zwei Männer und drei Frauen. Um immer mehr davon zu erfahren, was das Team von Manincor verbindet und antreibt.

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Es hätte durchaus auch anders kommen können. Als Klaus Peer, geboren 1971 im Südtiroler Unterland, nach Schule und Wehrdienst beschließt, arbeiten zu gehen, herrscht Arbeitskräftemangel in Südtirol! Egal was Einer kann, man reißt sich um ihn. Klaus weiß nichts von der Arbeit im Büro, aber das Angebot einer Spedition ist gut, und so fängt er dort an. Alles lässt sich lernen. Zu jener Zeit ist es weit schwieriger als heute, Waren quer durch Europa zu schicken. Ungeheure Mengen an Papieren und Formalitäten sind zu erledigen, Geduld, Geduld, Geduld. Klaus lernt, was zu lernen ist, macht es gut und einige Jahre, dann wird es zur Routine. Er möchte Neues probieren, es folgt der Wechsel nach Manincor. Logischerweise ist der erste Arbeitsplatz im Lager, in der Kommissionierung, im Versand, wo so ein Experte Gold wert ist. Klaus fühlt sich wohl, er ist ein umgänglicher, flexibler Typ und springt überall ein, wo er gebraucht wird. So kommt es, dass er auch im Detailverkauf Gräfin Sophie zur Hand geht. Dort blüht er auf, fühlt sich wohl und bleibt hängen. Ein Naturtalent im Verkauf! „Das Wichtigste ist: Immer freundlich bleiben!“ – egal, was ein Kunde möchte. Das vermittelt er auch den Praktikantinnen, von denen eine oder zwei immer mitarbeiten.

Weinwissen und Kenntnisse über die Produktion und den Betrieb sind dabei unumgänglich. Klaus hat einen großen Vorteil: Er ist schon in Manincor, als der Weinbau ab 2006 auf Biodynamie umgestellt wird. – Eine Zeit vieler Schulungen und Diskussionen, außerhalb und noch viel mehr innerhalb des Betriebs. Was für ein Arbeitsplatz! Der Detailverkauf wurde im Zuge des Kellerbaus 2004 neu errichtet. Der Bau schiebt sich über den Kiesplatz vor den mehr als 400 Jahre alten Ansitz in Richtung Kalterer See. Die Aussicht zum See hinunter ist an den meisten Tagen schlicht und ergreifend schön. Die ersten Rebzeilen, die Hühner, die über den Hof sausen, der große, schwarze Haushund – das tut den Augen und der Seele gut. Seit einiger Zeit übernimmt Klaus – mit Vergnügen – vermehrt Kellerführungen. Auch da ist es wichtig zu spüren, was die Leute hören wollen. „Alles kannst Du nie erzählen. Manche interessiert der Wein, manche die Architektur, manche die gräfliche Familie.“

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Die Verantwortung im Detailgeschäft, wo sage und schreibe 70.000 Flaschen Wein verkauft werden, teilt sich Klaus Peer mit seiner Kollegin Sibylle Ebner, geboren 1965 in Eppan. Von Kindesbeinen an kennt sie das Verkaufen und hat es schließlich im elterlichen Betrieb, einer Fleischhauerei, von der Pike auf gelernt. Von den Familienmitgliedern wurde besonderer Einsatz erwartet – und so macht es Sibylle auch heute nichts aus, wenn im Weinverkauf viel los ist, wenn verkostet und diskutiert wird, Wein aus dem Lager nach oben geschafft werden muss, viele, viele Schritte und Stunden auf den Beinen. Vieles, was sie nach ihrer Lehre gemacht hat, ist heute nützlich. Wie zum Beispiel die Jahre in einer Vorarlberger Unfallpraxis mit Patienten aus aller Herren Länder. Dort musste man Englisch können, und so lernt sie es eben. Das nützt ihr heute oft bei all den internationalen Besuchern im Geschäft. Büroabläufe erlernt Sibylle in zwei Großhandelsbetrieben, aber das Richtige ist nicht dabei. In Manincor wird eine befristete Stelle im Weinverkauf angeboten, wo bisher Kollege Klaus und Gräfin Sophie alles allein gemeistert haben. Nach dem Kellerneubau und einigen personellen Änderungen steigt die Weinproduktion kontinuierlich an, was auch im Detailverkauf zu spüren ist. Sibylle steigt ein, bringt Wissen aus ihrer Zeit in einer Vinothek mit, lernt auch aus persönlichem Interesse schnell alles über Manincor-Weine und vieles darüber hinaus, fühlt sich rasch wohl.

„Porsche oder Opel Manta – egal, welches Auto jemand fährt: Alle, die zu uns hereinkommen, haben Anspruch auf beste Beratung!“ Sibylle ist schon so lange im Verkauf tätig, da erwirbt man unschätzbare Menschenkenntnis und erlebt doch immer wieder Überraschungen. Schön ist es, ein außergewöhnliches Produkt wie die Weine von Manincor zu verkaufen, findet sie, ein ehrliches Produkt, das man mit gutem Gewissen empfehlen kann. Und wenn es um ihren Arbeitsplatz geht, kommt sie ins Schwärmen. „Der See, die Weinberge, der alte Ansitz und unser Geschäft – das ist eine Augenweide. Lebensqualität nenne ich das.“ Abends hat sie es gern ruhig, wie es so ist, wenn man tagsüber viel mit Menschen zusammen ist und viel spricht. Wenn der Sohn versorgt ist und alles erledigt, ist Stille für sie das Schönste; an besonderen Tagen mit einem Glas Contessa.

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Richtig Weintrinken muss man lernen.“ Während Matthias Jaeger, geboren 1977 als echter Sterzinger und ehemaliger Eishockeyspieler eher ein Biertrinker sein müsste, bringt ihn ein Zufall schon in frühen Jahren zum Wein. Nach Volks- und Oberschule wechselt Matthias mit 14 Jahren in ein Gymnasium, das so genannte „Wissenschaftliche Lyzeum“. – Nicht die richtige Wahl! Matthias entscheidet sich für eine Tourismusausbildung, geht nach Meran und wohnt ab dem zweiten Jahr mit ein paar Kollegen in einer WG. Der strenge Schulalltag mit vielen Praxiszeiten hält die jungen Männer halbwegs im Zaum und bringt ihnen nach dem Abschluss neben der Reifeprüfung auch Lehrabschlüsse in Service, Küche und Rezeption ein. Auch über Wein wird in der Schule gesprochen. Praxis zu diesem Thema verschafft man sich in der Freizeit, unter anderem mit Unterstützung eines Professors, der den jungen Männern das Weinprobieren beibringt. Nachschub kommt oft von den Kollegen, die beide aus einem Hotelbetrieb stammen. Wo Matthias auch erst einmal zu arbeiten beginnt und weiter so viel wie möglich über den Wein lernt. Als ihm eine Kellereigenossenschaft einen Posten im Vertrieb anbietet, ergreift er die Chance, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen.

In Manincor läuft Matthias zu Hochform auf: Als Verkaufsleiter kann er sein Talent Kontakte zu knüpfen und gemeinsam mit den Partnern das wirtschaftliche Potenzial einer Zusammenarbeit zu erwägen, zur vollen Blüte bringen. Im Frühjahr und im Herbst ist er nahezu durchgehend unterwegs um neue Märkte zu erschließen. So kommt es, dass man inzwischen in mehr als 25 Ländern – neuerdings auch in Peru und in Australien – Weine aus Manincor kaufen kann. Mit einem Schwung, wie er aus einer tiefen Leidenschaft entsteht, absolviert Matthias „nebenbei“ dann auch noch die renommierte Ausbildung zum Weinakademiker (WSET Diploma) an der Weinakademie in Rust am Neusiedler See (A). Als „Weinfanatiker“ bezeichnet er sich selbst – und ist glücklich darüber, dass seine Frau diese Leidenschaft teilt. „Sogar unsere Hochzeitsreise war eine Weinreise.“ Zwei kleine Söhne haben seinem Leben eine neue Dimension gegeben. Wenn er in Südtirol ist, dann gehört er ganz seiner Familie, mit der er in Kaltern lebt. Spricht’s, hört das Mittagsläuten und saust davon, um den Größeren aus dem Kindergarten abzuholen. Den, „der noch mehr redet als ich!“ Wer’s glaubt!

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Manincor-Weine fliegen heute um die halbe Welt – das Verdienst des engagierten Verkaufs. Dass die Weine aber auch überall sicher ankommen, will gut organisiert sein. Monika Steinegger, geboren 1969 in Tramin, kümmert sich darum. Als Mutter einer neunjährigen Tochter sind die Tage durchgeplant. Deshalb kommt sie auch mit dem Auto – und genießt die kurze Fahrt am See entlang bis sie in den Hof einbiegt. „Wir haben’s schon schön hier.“ Der Blick von Manincor über die Weinberge, die sanft zum See hin abfallen, der Laubwald, der sich zur Leuchtenburg hinauf zieht, die Berge. „Und die Schafln und Hendln, wenn sie herumrennen.“ Es ist für Monika etwas Besonderes, hier zu arbeiten. So lange, nämlich seit dem Jahr 2000, ist sie schon im Betrieb, dass sie noch das Büro in Schloss Campan in Mitterdorf kennt, wo es auch sehr schön war. Dann kam der Bau, keine leichte Zeit, wenn man konzentriert im Büro die Papierflut bewältigen muss. Als sie nach der Babypause 2006 wieder zurückkommt, beginnt gerade die Umstellung auf die Biodynamie. Auf die Arbeit im Büro hat das wenig direkten Einfluss, aber man spürt: In Manincor wird respektvoll mit der Natur umgegangen, man denkt langfristig und nachhaltig. Und das entspricht der Einstellung der jungen Mutter, die selbst gern mit ihrer Familie draußen aktiv ist.

Auch wenn es einfacher geworden ist, in Europa Wein zu verkaufen, gibt es immer noch viele Bestimmungen, die eingehalten werden müssen. Geradezu abenteuerlich kann es werden, wenn Wein wie neuerdings nach Südamerika oder Australien versendet wird. Wie viele Stempel, Gebühren, Formulare, Zertifikate kann eine Behörde im 21. Jahrhundert verlangen? Monikas Aufgabe ist der Durchblick – und den verschafft man sich mit Beharrlichkeit, Genauigkeit, Geduld. Eigentlich ist es fast ein Wunder, dass auf den weiten Reisen der Manincor-Weine nur relativ wenig Bruch zu verzeichnen ist. Fast amüsant mutet es an, dass auch ab und zu während des Transports eine Flasche verschwindet. „Verloren geht sie ja sicher nicht. Da hat sich dann einer bedient.“ Vielleicht hat Manincor dann wenigstens einen neuen Fan!

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Weingut Manincor. Grüß Gott!“ Anita Crepaz, geboren 1961, in Schwaz (A) ist „The Voice“ von Manincor und das seit einigen Jahren auch in Italienisch. Wie es so ist, wenn man sich in Südtirol niederlässt: Früher oder später muss man in beiden Landessprachen arbeiten. Kein Problem, wenn man nur will (und wenn die Liebe groß genug ist, sie gibt es gern zu). Der Anfang: Die kleine Anita spielt mit Kalendern und Prospekten aus dem Büro des Vaters und besucht logischerweise eine kaufmännische Schule, wo Kostenrechnung und Buchhaltung die Lieblingsfächer sind. „Zahlen sind meine Freunde!“ Das nützt in den 13 Jahren bei der Tiroler Landesregierung, in den Jahren bei einem Kulturveranstalter und bei einer Werbeagentur. Private Gründe bewegen sie, den Sprung nach Südtirol zu wagen. Nach zwei Jahren – es ist 2004, in Manincor wird gerade der neue Keller im Weinberg fertig – bietet Graf Michael Anita eine Stelle an. Manincor muss sich als Unternehmen professionalisieren, neue Strukturen sollen geschaffen werden. Ihre Stelle gibt es bis dahin noch gar nicht: „Ich hatte oft das Glück, dass ich mir meine Stelle selbst mit Inhalten füllen konnte.“

Die Weinproduktion steigt rasch, der Kellerneubau als zentrales Beispiel neuer Architektur in Südtirol führt zu einem Besucherandrang, der bis heute kaum abflaut. Aufgaben im Verkauf, im Marketing, in der Organisation, als Assistentin des Weingutsdirektors und des Grafen – die Liste wird nicht kürzer. Aber: „Jeder Stress, den ich hier habe, ist positiv. Ich habe das Gefühl, dass ich etwas bewirken kann und mit meinen Fähigkeiten am idealen Ort bin.“ Dass sie sich hier wohl fühlt und sich für alle Bereiche im Haus interessiert und engagiert, merkt man. Und dass sie einige unsichtbare Fäden in der Hand hat, wissen alle. Lieblingswein? Das wäre der Mason di Mason, aber den nur eher selten. Sonst auch sehr gern den Mason. Hauptsache ein Blauburgunder!

Was alles rund um den Wein zu tun ist, bis er in den Vinotheken rund um den Globus im Regal steht, danach in einem Weinkarton, wenn Sie ihn erworben haben und schließlich bei Ihnen zu Hause auf dem Tisch, im Glas und – aaah! – endlich in Ihrem Mund. Tausend Kleinigkeiten und manches Große. Erledigt mit viel Hingabe und Wissen im Weinberg, im Keller aber auch in den Büros, im Geschäft und oft unterwegs von unseren Kollegen in Manincor.