Manincor

Einführung

Mehr als nur ein Wort.

Was unser Verhalten im persönlichen Leben prägt, ist auch im Weingut unser Leitgedanke.

Von Michael Graf Goëss-Enzenberg

Heutzutage reden alle darüber! Nach unserem Verständnis muss Nachhaltigkeit aber Lebenshaltung sein, damit sie dazu beiträgt, die Ressourcen dieser Welt nicht aufzubrauchen. Genauer gesagt: „Regenerierbare, lebende Ressourcen dürfen nur in dem Maße genutzt werden, wie Bestände natürlich nachwachsen können.“ Die Erkenntnis gab es erstmals im späten Mittelalter, als die Wälder für Bergwerksverbauungen abgeholzt zu werden drohten. Zu Bergwerk und Wald habe ich eine besondere Beziehung, da meine Vorfahren Gewerke (minatori) waren.

Oft werden wir gefragt, wie es dazu kam, dass das Konzept der Nachhaltigkeit für uns in allen Bereichen so wichtig geworden ist. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, in täglicher Berührung mit der Natur und habe als Kind die natürlichen Kreisläufe kennen und leben gelernt. Wir hatten Felder mit Getreide, Mais und Kartoffeln, 25 Kühe, Schweine, Gänse, Hühner und ein Ross, Milchwirtschaft, eigene Schlachtung, in drei Teichen Fischerei und eine Forstwirtschaft mit Eigenjagd in dem Wald, der alles umschloss. Eine völlig autarke Landwirtschaft. Wir können diese Kreisläufe auch heute wieder herstellen. Zum Beispiel indem wir in Südtirol die Tiere in die Landwirtschaft zurückbringen, die das Leben auf und in unseren Böden fördern und gleichzeitig für einen geschlossenen Nahrungskreislauf auf unserem Hof sorgen.

Bei meiner Frau hat das anders begonnen. Sie ist in Wien aufgewachsen und hat das Landleben nur zwischendurch genossen. Schon beim ersten Besuch in Manincor haben sie die Farben, die Reb-landschaft, das Licht und die Vielfalt des Landes fasziniert. Heute schöpft sie aus der Heilkraft der Kräuter vor unserer Haustüre. Sie versorgt die Familie seit Jahren gesund und regional; zur Stärkung unserer Gesundheit wird als erstes zu Tees, Kräutern und Hausmitteln gegriffen. Meine Frau hat uns immer wieder bewiesen, dass Homöopathie und Naturmedizin wunderbar wirken. Und so ist auch der Mut gewachsen, unsere Landwirtschaft zur Gänze so zu behandeln und zu pflegen. Diese ist inzwischen biodynamisch zertifiziert.

Wir brechen die Monokultur auch in unseren Weinbergen und Obstkulturen. Einsaaten bringen eine Pflanzen- und Blütenvielfalt zurück, Schafe und Hühner durchackern die Weinberge, die Böden werden durch Kompost mit Stallmist mit Humus angereichert, die Vielfalt der Insekten und somit die Biodiversität gefördert.

Auch beim Bau des neuen Kellers im Jahr 2004 haben wir die Grundlagen nachhaltigen Denkens angewandt. Das gesamte Kellergebäude ist unterirdisch in den Weinberg gebaut. Somit ist unser Kulturgrund erhalten geblieben und der Keller thermisch vom Weinbergboden abgedeckt. Erdwärme ist es auch, die wir zum Temperieren des Kellers im Winter nutzen. Im Sommer führen wir die Wärme wieder in den Boden zurück, um ihn kühl zu halten. Als Zusatzheizung arbeitet eine Biomasseanlage mit Holzschnitzeln aus dem eigenen Wald und aus Apfel- und Rebholz. Manincor ist eine erdöl- und erdgasfreie Zone. Die Nutzung der Mondzyklen und der Schwerkraft über drei Stockwerke ersetzt bei uns weitgehend den Einsatz von Pumpen und auch Filtration. Durch diese schonende Verarbeitung bleibt dem Wein jene feine Qualität, die die Trauben zum Zeitpunkt der Ernte haben. Die Kräfte und Zyklen der Natur helfen also auch im Keller, Energieressourcen zu schonen.

Wie geht es weiter?

Gemeinsam mit TREHS, einem Naturkosmetikhersteller aus dem Sarntal, haben wir die kosmetische Gesichtspflegelinie „ACQUA VINEA NOBILIS“ entwickelt. Die Basis dafür ist das Rebwasser (die Rebtränen), das nach dem Rebschnitt aus den Wunden austritt. Diese Flüssigkeit, gespeist mit den Mineralien und all den Kräften des Bodens, die sich im Winter aufbauen konnten, enthält wertvolle Antioxydantien und regenerierende Inhaltsstoffe. „ACQUA VINEA NOBILIS“ ist seit kurzem auch bei uns am Weingut erhältlich. Nähere Informationen und weitere Bezugsquellen finden Sie unter www.trehs.com

Unser nächstes Projekt ist die Nutzung der Windenergie (der Kalterer See ist auch ein Surfer-Eldorado) zur weitgehenden Selbstversorgung mit elektrischem Strom.

Wir sehen mit Freude, dass für unsere Kinder Erkenntnisse, die wir uns erst aneignen mussten, schon selbstverständlich sind: mit sensiblen Ressourcen achtsam umzugehen und die Kreisläufe zu schützen. Durch unsere vielen kleinen Maßnahmen fühlen wir uns wohl und das geht auch vielen Menschen in unserem Umfeld so. Das bestärkt uns, den eingeschlagenen Weg mit Begeisterung weiterzugehen.