Manincor

Ein Weinjahr ist kein Wunschkonzert

Ein Weinjahr ist kein Wunschkonzert.

In der Natur zu arbeiten heißt, mit ihren Stimmungen und Launen zu leben und sich natürlichen Rhythmen und außergewöhnlichen Ereignissen anzupassen. Der Weingutsdirektor berichtet.

Von Helmuth Zozin, Direktor Weingut Manincor

2009 wurden wir auf die Probe gestellt: zwei Mal gab es heftigen Hagelschlag – und trotzdem ist es uns gelungen, den Jahrgang zu retten. Und er ist es wert!

Die Chronologie der Ereignisse. Ein schneereicher Frühling sorgte für Feuchtigkeit, der Austrieb begann Anfang April und schritt gleichmäßig und rasch voran. Ebenso die Blüte, die wir mit Tee aus Brennnessel und dynamisiertem Hornmist in den Vorvollmondphasen stimulierten. Soweit war alles im Plan.

Das erste Unwetter. Wie schnell sich das ändern kann, erlebten wir am Abend des 5. Juli: fünf Minuten Hagel zerstörten all unsere Erwartungen. Fürs Erste machten wir zur Wundheilung eine Kamillentee-behandlung. Die Reben waren wie unter Schock; bis zur Ernte sollte sich aber noch einiges einrenken. Teils wurden die verhagelten Beerenteile weggeschnitten und damit bewusst der Ertrag reduziert. Teils mussten wir uns auf Teebehandlungen beschränken: Kamille zur Beruhigung, Brennnessel bei zunehmendem Mond um die Vegetation zu stimulieren und Ackerschachtelhalm bei abnehmendem Mond um das Wundschließen zu unterstützen. So sollten im Zusammenspiel der Lebenskräfte „Wachstum und Reife“ die Selbstheilungskräfte angekurbelt werden. Die Selbstheilung ist ein Wunder der Natur und sie mit Homöopathie zu unterstützen und anzuregen, ist das schönste für den Bauern.

Eine Phase der Erholung. Gegen Ende August sah dann wieder alles bestens aus; bei einigem Wetterglück waren die Chancen auf einen wirklich guten Jahrgang gegeben. Es konnte nun voll in die Reife gehen, die wichtigste Phase für die Qualität der Trauben. Mit Ackerschachtelhalmtee und Hornkieselpräparat stimulieren wir diesen heiklen Übergang in die Geschmacksbildung. Das Geheimnis exzellenter Qualität ist es, das Wachstum fast auf null zu stellen und dafür das Einlagern der Aromastoffe zu maximieren.

Das zweite Unwetter. Zu schön, um wahr zu sein, wäre das alles gewesen, bis sich am 22. August, einem heißen Samstagnachmittag um 17h55 wieder einiges änderte. Nur 10 Minuten lang dauerte der Hagel, jedoch: einige Lagen hatte es voll erwischt. Wir mussten schnell entscheiden und gingen sofort an die Lese. 10 ha verhagelte Weinberge waren in drei Tagen geerntet. Die aufgebrochenen Beeren wurden per Hand ausselektioniert; die Qualität der intakten Trauben war mehr als ansehnlich.

Die Ernte. Den Rest der Ernte konnten wir dann in absoluter Ruhe angehen; Weinberg für Weinberg wurde in perfekter Reife gelesen. Am 23. August hatten wir in Mazzon mit Pinot Noir begonnen, während der ersten Septemberhälfte unsere Weißweintrauben in Terlan geholt und bis zum 16. Oktober den Cabernet Sauvignon auf Manincor reifen lassen. Ein großer Jahrgang, der eigentlich erst am 19. Januar 2010 mit der Spätlese des Petit Manseng für unseren Süßwein endete.

Resümee. 2009 ist für Manincor ein großes Weinjahr, es war aber auch eine harte Prüfung im Weinberg. 150 Stunden zusätzlicher Arbeitsaufwand pro Hektar um nach den Hagelschlägen jede angeschlagene Beere per Hand auszuzupfen, haben sich aber gelohnt. Besonders freut uns der Erfolg unserer homöo-pathischen Behandlungen. Die Reben erholten sich damit so gut, dass zur Ernte kaum mehr Spuren des Hagels sichtbar waren. Die Qualität der Jungweine bestätigt die Erwartungen. Vielschichtige, frische Frucht mit Mineralität und Tiefgang sowohl in Nase als auch am Gaumen prägt die Weißweine. Reife Fruchtaromen und viel dichtes Tannin, das den Rotweinen Rückgrat gibt und doch samtig und weich bleibt, sind Zeichen für enormes Entwicklungspotenzial. Baldrian, Kamille und Brennnessel sei Dank!