Manincor

Eduard Habsburg

Bestimmt erinnern auch Sie sich an Momente, die sie mit einem Glas Wein verbinden – beglückende, melancholische, lustige oder gar peinliche.

In der siebten Folge unserer Kolumne „Mein Leben mit dem Wein“ erzählt Eduard Habsburg wie er auf den Geschmack gekommen ist – und welche Rolle Manincor dabei gespielt hat.

Wein hat in meiner Kindheit keine große Rolle gespielt. Zuhause bei uns trank man ihn wenig, und ich kannte ihn vor allem in Form der Bocksbeutelflaschen im Schloss meines Großvaters, Karl Fürst zu Löwenstein, unweit von Würzburg. Und dann in Form von Messwein in der alten romanisch-gotischen Kirche daneben, den ich vor dem Ministrieren in der eiskalten Sakristei abfüllen durfte. Beides waren Weißweine. Die paar Rotweine, die ich dann später in meinem Studium in Fribourg in der Schweiz probierte, waren zumeist Burgunder, und die mochte ich nicht.

Als wir mit unseren Kindern nach Niederösterreich zogen, wurde Wein endlich zu einem regelmäßigen Begleiter am Essenstisch. Selbstverständlich Grüner Veltliner, etwas anderes ist ja in jener Region gar nicht denkbar. Fortan war Weißwein DER Wein für mich, und das wäre vielleicht auch immer so geblieben, wenn mich mein Weg nicht, im Zuge der Dreharbeiten für die Servus TV-Serie „Wo Grafen schlafen“, auf das Weingut Manincor geführt hätte. Hier traf ich auf den Réserve del Conte, den mir die Hausherren in vielen Drehpausen und abends, wenn man nach dem Dreh zusammensaß, kredenzten. Und plötzlich erschien mir Weißwein nicht mehr so interessant. Ich begriff, was es bedeuten kann, wenn man Wein nicht nur „zum Essen“, sondern als eigenen Programmpunkt, der zu genießen ist, in aller Ruhe einnimmt. Das hat mir die Augen geöffnet.

Nach der Rückkehr vom Dreh habe ich mir dann meine erste Flasche Rotwein gekauft. Und bin dabei geblieben. Zwar trinke ich immer noch nicht viel Wein ... aber wenn, dann rot.

Farbenspiel. Nichts ist Spannender und freut uns mehr, als jemanden mit unserer Leidenschaft für Wein anzustecken. Der schöne Augenblick, wenn der Funke überspringt! Wenn ein aufmerksamer Gast unsere tiefe Verbundenheit mit der Natur spürt und mit uns über die Wunder staunt, die sie Jahr für Jahr hervorbringt. – Was zunächst „nur“ ein Drehtermin für die Servus TV-Serie „Wo Grafen schlafen“ war, wurde in den Pausen und an den Abenden eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Wein. Und so kam es, dass Eduard Habsburg von Weiß zu Rot wechselte.

Kurzbiografie: Promovierter Theologe und Philosoph, Universitätsdozent, Drehbuchautor, Schriftsteller (Romane, Sachbücher), Übersetzer, Medienreferent, Schauspieler, betreibt einen Podcast. Verheiratet, sechs Töchter, wohnt in Wien. Urururenkel von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth.