Manincor

Der Herr der Trauben

Der Herr der Trauben.

Mit Helmuth Zozin hat Manincor seit April 2008 einen neuen Weingutsdirektor. Eine kurze Vorstellung.

Fast schon eine klassische Südtiroler Karriere hat Helmuth Zozin absolviert, auch wenn das Weinmachen nicht von Kindesbeinen an sein Berufswunsch war. Und doch: Vater Kellermeister, Sommerjobs im Weinbau, Ausbildungen, Praktika im Ausland, viel zu schnell nach dem Abschluss schon das erste Angebot.

Helmuth Zozin greift zu, hängt sich hinein und weiß Chancen zu nützen. Der Önologe verdient sich seine ersten Sporen in der Genossenschaftskellerei, scheut sich nicht davor, Verantwortung zu übernehmen, ist viel auf Reisen. „Wenn man schlau ist, dann lernt man aus Erfahrungen.“ Und Helmuth Zozin lernt. 20 Jahre ist das her, und die Zeiten waren andere.

Heute ist Helmuth Zozin im besten Alter für die Position, die er auf Manincor übernommen hat. Genug Zeit ist seit dem Schulabschluss verstrichen, viele Male hat er schon den Jahreszyklus im Weinberg miterlebt, unzählige Weinmessen besucht. Kennt die Weinkäufer, die immer öfter auch Weinkäuferinnen sind, kennt das Land, den Boden, das Wetter. Versteht den Weinbau und den Weinverkauf. Versteht es aber auch, neben dem Beruf nicht den privaten, persönlichen Zugang zum Wein zu verlieren: „Privat bin ich Weintrinker, nicht Weinsammler“, bekennt er. 500 Flaschen hat er zu Hause im Keller, maximal. Gäste dürfen sich freuen: Helmuth Zozin serviert stets die besten Flaschen zuerst, „bei mir ist keine Flasche tabu.“

Authentische Weine. Mit der Bestellung von Helmuth Zozin zum Direktor des Weinguts legt Michael Graf Goëss-Enzenberg nach zwölfjähriger Aufbauarbeit die Verantwortung für Manincors weitere Entwicklung in erfahrene Hände. „Als ich in den ersten Gesprächen mit ihm sein Interesse an dieser Aufgabe spürte, dachte ich: Etwas Besseres kann uns gar nicht passieren! Jemand, der in den regionalen Traditionen großgeworden ist, der aber aus eigener Anschauung weiß, dass diese Herkunft hinterfragt und weiterentwickelt werden muss – der weiß die Qualitäten und das großartige Potenzial Manincors zu festigen“.

Mit analytischem Verstand und einem frischen Blick auf Manincor konstatiert Helmuth Zozin die Möglichkeiten, die in den Weinbergen ebenso wie in den alten und neuen Gemäuern liegen. Die beiden wesentlichen Eckpfeiler für das Leben und Arbeiten in Manincor bleiben unangetastet: biodynamischer Weinbau auf der höchsten Qualitätsstufe, sowie Weine, die eine starke Persönlichkeit haben und deren Charakteristik auf Langfristigkeit ausgerichtet ist. „Mir geht es darum, dass Manincor 50 Hektar biologisch auf qualitativ höchstem Niveau bearbeitet, authentische, ausdrucksstarke Weine macht für Leute, die geradlinige Terroirweine suchen.“ Der neuerbaute Keller ist ein wichtiges Werkzeug dafür. Es sei natürlich eine phantastische Aufgabe, in einer derartigen Umgebung arbeiten zu können.

An welchen Rädchen im Werk wird er drehen? „Manincor ist auf einem sehr guten Weg. In so kurzer Zeit so viel zu erreichen – das ist außer-gewöhnlich. Und darauf baue ich auf. Natürlich: Meine langjährigen Erfahrungen bringen einiges an Veränderungen mit sich. Vieles davon »hinter den Kulissen«“. Ganz wesentlich erscheint ihm die Feinabstimmung aller Maßnahmen im Unternehmen – von der Produktion bis hin zur Vermarktung: „Es gibt viele gute Weingüter. Zu den besten gehört man, wenn alles zusammengenommen ein perfektes Ganzes ergibt. Dieses »perfekte Ganze« ist natürlich immer ein Ideal. Aber ich habe mir vorgenommen, es möglichst nahe vor meiner Nase zu haben“. Übersetzt in den Alltag bedeutet das: „Man muss eine ausreichend große Nische finden, damit man sich am Markt zu Recht findet. Es geht ja immer darum, dass man etwas macht, wo man Leute findet, die sich dafür dann begeistern können. Manincor kennt und schätzt man heute vor allem, weil es elegante, vielschichtige Weine mit großem Potenzial produziert, die trotzdem viel Freude machen beim Trinken. Eleganz und eine gewisse Leichtigkeit aber mit starkem Rückgrat – so ungefähr könnte man es zum Ausdruck bringen“.

Nervös mache ihn die Herausforderung der Leitung des Weinguts Manincor nicht. Dazu ist er zu lange „im Geschäft“, „aber Respekt davor, und Gänsehaut – das ist ja ganz selbstverständlich. Sonst würde ich etwas ja nicht richtig verstehen“. Spannend findet Helmuth Zozin die Möglichkeiten, die Manincor bietet: ein geschlossener Zyklus, in den er jederzeit verändernd eingreifen und Maßnahmen sofort und konsequent umsetzen kann. „Wenn man es gut macht, dann spielt man in der obersten Liga“.

Biodynamie. 20 Jahre Arbeit in Kaltern und sein persönlicher Ansatz, nämlich den Wein bereits im Weinberg zu machen, haben aus Helmuth Zozin einen lokalen Wetter- und Klimaexperten gemacht. In dieser Zeit habe sich der Erntezeitpunkt um rund zwei Wochen nach vorn verschoben! Bisher profitierten die Weinbaugebiete in Südtirol noch großteils vom wärmeren Klima. Sorten, die man früher nur bange zur Reife brachte, sind heute problemlos. Wie sich das weiterentwickeln wird, ist noch nicht abzusehen, das wird die Zukunft zeigen und man wird darauf entsprechend reagieren.

Die Biodynamie steckte zu Helmuth Zozins Anfangszeiten noch in den Kinderschuhen. Was aber damals von vielen noch belächelt wurde, steht mittlerweile in hohem Ansehen. Er selbst beschäftigt sich seit sechs Jahren damit und erklärt vollkommen unaufgeregt den selbstverständlichen Zugang, den man in Manincor zu diesem vielbesprochenen Thema hat. „Wir machen charaktervolle Weine, die den Boden und das Klima, das wir haben, zum Ausdruck bringen. Das geht am besten, wenn man biodynamisch arbeitet, weil uns das erlaubt, den Boden und die Pflanzen bestmöglich zu vitalisieren.“

Für Helmuth Zozin gibt es kein Stehenbleiben, „es gibt nur vorwärts oder rückwärts. Bleibt man stehen, fällt man um.“ Und was beschäftigt ihn, wenn er morgens in seine neue Wirkungsstätte kommt? „Tausend Dinge. Aber vor allem ein Ziel: Dass Manincor seine starke Präsenz noch weiterentwickelt. Wenn jemand über Wein aus Südtirol spricht, dann soll er an Manincor und unseren Weinen nicht vorbeikommen können.“