Manincor

Biodynamie & Nachhaltigkeit

Ziemlich beste Freunde.

Was unser Verhalten im persönlichen Leben prägt – der schonende Umgang mit lebenden Ressourcen, ist auch im Weingut unser Leitgedanke. Die Geschichte von Nachhaltigkeit und Biodynamie in Manincor.

Irgendwas war nicht in Ordnung in den Weinbergen. Egal wie viel Sonne, egal wie viel Regen im Sommer – die Trauben hatten nie die perfekte Qualität für Spitzenweine. So exakt wir uns an die Vorschriften hielten: Da war der Wurm drin. Oder besser: Der Wurm war eben nicht drin, wie Dr. Andrew C. Lorand¹ feststellte. „Zu wenig Leben im Boden.“ Woher also sollten die Reben die Kraft nehmen, um erstklassige Trauben zu produzieren?

Auf der Suche nach dem verlorenen Terroir. Besorgt um die Vitalität der Reben und die Gesundheit der Trauben bemerkte der Graf, dass Gräfin Sophie die Familie fast ohne ärztliche Hilfe gesund erhielt: mit hochwertigen Lebensmitteln, frischer Luft und Achtsamkeit für die individuellen Bedürfnisse. Wenn es nötig war, mit Homöopathie und alten Hausmitteln.

Möglicherweise auch ein Weg für die Reben? Andrew Lorand empfahl eine Kur: die Umstellung auf biodynamischen Weinbau. 2006 war das erste vollständige Biodynamie-Jahr, seit 2009 ist der Betrieb zu 100 % biodynamisch zertifiziert.

Überzeugungsarbeit im Betrieb. Biodynamische Bewirtschaftung funktioniert nur, wenn sie von einer inneren Einstellung mitgetragen wird. Bei der Einführung der Biodynamie waren die „Alten“ wenig begeistert. Nach der ersten erfolgreichen biodynamischen Ernte kam die Einsicht.

Früher hatte man in der Landwirtschaft auch mit Tieren gearbeitet, Kompost gebaut und auf die natürlichen Rhythmen und Mondzyklen geachtet. Dann kam die Phase, als Krankheiten und Schädlinge mit Chemie bekämpft wurden. Die Weinberge verloren ihre Vitalität. Ab Anfang der 1970er gab es nur mehr ein paar Hühner und den Hund auf dem Hof.

Biodynamie bedeutet Vielfalt und ganzheitliches Denken in Kreisläufen. Pflanzen brauchen eine möglichst komplette Umwelt – einen gesunden Boden, der durchsetzt ist von Nützlingen, Tiere, die den Weinberg als Lebensraum nutzen oder bei der Arbeit helfen.

In Manincor ist der Umkehrschwung vollzogen. Heute leben in den Weinbergen wieder Schafe, Quessants aus der Bretagne. Sie sorgen für natürliche Düngung und bringen die tierische Seele in den Weinberg. Die Pflanzenvielfalt ist ein Schlaraffenland für Bienen. Ebenso gern genutzt werden die Nistkästen für die vielen Vogelarten rund um den Kalterer See.

Biodynamie – das ist viel Handarbeit, höchste Präzision und Disziplin. Viele Arbeiten müssen termingerecht erledigt werden. So nutzen wir die ideale Mondphase, um Teegüsse oder Hornmistpräparate auszubringen.

Gelebte Biodiversität. Baumgruppen und Hecken durchbrechen heute die Weinberge; in jeder zweiten Rebzeile bringen wir eine gemischte Saat aus Getreide, Blumen, Klee, Raps, Leguminosen usw. aus. Zusammen mit den Kompostgaben sorgt sie für einen idealen Nährboden für die Reben.

„Biodynamie verlangt vom Menschen, sich seiner Arbeit mit vollem Bewusstsein zu widmen.“, so Graf Michael. „Es geht um geschlossene natürliche Kreisläufe.“ So holen wir aus dem eigenen Wald bei der Leuchtenburg am Kalterer See Eichen für die Weinfässer und erzeugen unseren eigenen Kompost.

Work in progress. Biodynamische Bewirtschaftung und ein nachhaltiges Leben und Wirtschaften sind „work in progress“. Es gibt noch viel zu tun, auch wenn für uns das Denken in Kreisläufen selbstverständlich geworden ist. Eine Bestätigung der Arbeit sind jedes Jahr mehr Stammkunden und neue Auszeichnungen für Weine aus Manincor.

Nachhaltigkeit in allen Bereichen. Der 2004 neu entstandene Keller liegt unterirdisch, somit konnten wir wertvollen Kulturgrund erhalten. Er ist thermisch vom Weinbergboden abgedeckt, wir nutzen Erdwärme auch für den Temperaturausgleich. Eine Biomasseanlage arbeitet mit Hackschnitzeln aus unserem Wald sowieaus Apfel- und Rebholz.

Die Schwerkraft über drei Stockwerke ersetzt bei uns weitgehend die Pumpen. So können wir die Trauben besonders schonend verarbeiten und verbrauchen weniger Energie. Zudem ist Manincor ist eine erdöl- und erdgasfreie Zone.

Wie geht es weiter? Unablässig entwickeln wir Ideen, um die Kreisläufe weiter zu schließen. So entstanden die Gesichtspflegelinie „ACQUA VINEA NOBILIS“, der Agrest, das Traubenkernöl und -mehl und anderes mehr. Alles, um Vorhandenes besser zu nutzen, die Kreisläufe möglichst komplett und ungestört ablaufen zu lassen.

Wir sehen mit Freude, dass es für unsere Kinder selbstverständlich ist, mit sensiblen Ressourcen achtsam umzugehen. In vielen Schritten, kleinen und großen, gehen wir den eingeschlagenen Weg mit Begeisterung weiter.

¹ Zur Person: Nach einer Lehre zum Landwirt und Winzer in der Schweiz studierte Andrew Lorand in den USA Agrarökologie und dissertierte über Biodynamik. Heute ist er in Europa Lehrer und Berater für viele renommierte biodynamische Weingüter.